Die Zukunft der Kreditkarte: Sinkende Bankgebühren – höhere Kundenintensität

Der Weg aus dem Bargeld scheint unaufhaltsam. Um ihn für den Verbraucher angenehmer zu gestalten, kam die Politik auf die Idee, die Kreditkartengebühren, die der Händler – und damit letztlich der Kunde – zu zahlen hat, zu deckeln. Milliarden sollten auf diesem Wege eingespart werden und dem Kunden niedrigere Preise bescheren – weshalb die entsprechende EU-Verordnung dann auch pünktlich zum Weihnachtseinkauf am 9. Dezember des Jahres in Kraft trat.
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Größere Preisnachlässe allerdings waren deshalb kaum zu erwarten, wie Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE) gegenüber „Die Welt“ erklärte. Auch sonst scheint der EU-Coup nach hinten loszugehen. Denn die Kredit- und anderen Institute, die den Kunden bislang mit scheinbar kostenlosen oder fast kostenlosen Kreditkarten überschütteten, werden nach anderen Wegen suchen, am bargeldlosen Zahlungsverkehr kräftig zu verdienen.

Bislang war es so, dass die Bank des Händlers bei der Bank des Kunden ein sogenanntes Interbankenentgelt abliefern musste, sobald dieser bei der Zahlung die Kreditkarte zückte. Da kamen für die vergebenden Institute übers Jahr und viele Kunden bei dem bislang üblichen ein Prozent schnell erklägliche Beträge zusammen. Dieser Geldsegen ohne jegliche Eigenleistung erklärt nun auch, warum der Markt mit Kreditkarten förmlich geflutet wurde.

Die neue EU-Verordnung aber kappt das Interbankenentgelt von jenem einem Prozent auf nur noch 0,3 Prozent. Die Einbußen dafür sollen sich auf über 400 Millionen Euro pro Jahr bewegen – was, rechnen wir hoch, einem Kreditkartengesamtumsatz von 40 Milliarden Euro entspricht. Doch die Banken stöhnen nicht nur unter diesem Verlust. Auch die fiktiven Transferkosten bei Einsatz der klassischen EC-Karte wurden gedeckelt: Von 0,3 auf 0,2 Prozent. Das entspricht nach Stand der Dinge einem weiteren Verlust in Höhe von 50 Millionen Euro.

Da Banken auf dieses leicht verdiente Geld ungern verzichten möchten, sollen jetzt die Kunden den Ausfall an die Banken selbst erstatten. So sollen bei vielen Instituten Jahresgebühren zwischen 30 und 40 Euro für die Standardkarte den Geldsegen absichern. Wer es gern etwas edler hat, darf noch tiefer in die Tasche greifen: Gold-Cards können dann schnell bei 70 bis 80 Euro Jahresgebühr landen.

Es ist insofern davon auszugehen, dass der Einsatz der Kreditkarte künftig durchdachter erfolgen wird. Niemand braucht im Portemonaie einen Berg von Karten, wenn jede einzelne davon das Konto mit spürbaren Beträgen belastet. Dem Einsatz der Kreditkarte als in absehbarer Zeit vermutlich einzigem Zahlungsmittel allerdings wird diese Entwicklung keinen Abbruch tun. Ganz im Gegenteil haben selbst jene Discounter, die die Kreditkarte bislang wie der Teufel das Weihwasser scheuten, in 2015 auf bargeldlos umgestellt. Der Siegeszug der Kreditkarte wird daher selbst bei Kleinstbeträgen nicht mehr aufzuhalten sein.

Mehr noch: Da dem Kunden die Kreditfunktion künftig kaum noch als kostenloses „Add-On“ auf die Kundenkarte präsentiert werden wird, wird er die Funktion seiner bezahlten Karte nun auch intensiv nutzen wollen. Gerade für den Einzelhandel bedeutet dieses: Bargeld war gestern. Wer ohne modernes Kartenlesegerät dasteht, wird im Zweifel auf Kunden verzichten müssen.

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